05. Mai 2011

Fruehstueck mit Hans. Es gab Baguette-getoastet, Kuchen, Dounat, Butter, Marmelade, Kaffee und Saft (keine Angst – ich werde nicht jeden Tag alle Einzelheiten des Fruehstueckes auffuehren 🙂 ). War auch wieder lecker. Ich dem gleichen Unterkunft waren noch zwei Franzoesinnen, die als erstes gestartet sind, gefolgt von Hans und dann der langsame Sandro. Hans habe ich irgendwann als er rastete ueberholt, dann er mich beim rasten  und spaeter traf ich ihm bei der Brotzeit. Er teilte von zu Hause mitgenommenes Brot und Ziegenkaese mit mir und ich lief anschliessend voraus Richtung Jaca – dem Tagesziel. Irgendwie bin ich dann vom Weg abgekommen, fand ihn aber dann – eher zufaellig – wieder. Kurze Zeit spaeter traf ich Hans an einer kleinen Kirche in Castilla de Jaca wieder. Er machte noch kurz Pause in dem Ort waehrend ich dann weiterlief. Ich erreichte Jaca, lief dann weiter als ich eigentlich wollte und deswegen wieder ein Stueck zurueck. Zwei spanische Radler fuhren an mir vorbei waehrend eine davon mir ein „Bon Camino“ zurief. Irgendwie kam mir danach der Rucksack 2 KG leichter vor – zumindest fuer die naechsten paar Hundert Meter. Ich steuerte eine Zitadelle an und suchte nach der Kathetrale.

 Da ich mittlerweile ziemlich Hunger hatte und auch schon konditionell relativ fertig war machte ich kurz Pause und machte mich ueber die von zu Hause mitgebrachten Aoste-Wuerstchen her. Die Sonne knallte runter – aber war noch auszuhalten. Dann machte ich mich weiter auf die Suche. Dass ich an der Kathetrale vorbeigelaufen bin (sie macht einen sehr unscheinbaren Eindruck) erfuhr ich dann von Hans, der auf einem Platz vor einem Restaurant sass und mir nach meiner Frage nach der Kathetrale nur sagte „Du stehst gerade davor“ 🙂 . Mit anderen Pilgern bezogen wir dann die gleiche Herberge. Diesmal einen groesseren Raum mit mehreren Betten. Nach Duschen und erstmaliger (auf dem Camino) Internetnutzung geht es zur Nahrungsbeschaffung. Gesagt -getan, im Supermarkt was zu essen geholt und nach dem Essen noch kurz mit ein paar Frauen aus Norddeutschland unterhalten, die ebenfalls in dieser Herberge uebernachten. Die Nacht war laut – Geschnarche und auch draussen in den Strassen und vor der Herberge gab es anscheinend Partys.

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04. Mai 2011

07.30 Uhr – ich freue mich auf Fruehstueck. Ein Buffet waere ja mein sehnlichster Wunsch gewesen, aber mir war klar, dass ich in Frankreich in einem Standard-Hotel so etwas nicht bekomme. Aber ich war auch mit allem anderen zufrieden – Hauptsache Fruehstueck. Ich bekam dann ein schoenes Croissant, Baguette, Butter, Marmelade, Orangensaft und Kaffee. Also absolut ausreichend. Die Kroenung des Morgens kam dann als ich bezahlen wollte und man mir sagte, dass ich normalerweise 40 EUR (davon waren 6 EUR fuer Fruehstueck) bezahlen wuerde, ich aber nur 35 EUR zahlen muesste.

Keine Ahnung wem oder was ich diesen Vorteil zu verdanken hatte – aber ich nahm ihn dankbar an, bekam meinen ersten Stempel in meine „credencial del pelegrino“ und machte mich so gegen 08.15 Uhr auf in Richtung Somport-Pass.

Der Weg ging im Bergauf an einer Strasse entlang. Gegen 09.30 Uhr sichtete ich den Einstieg fuer Wanderer zum Somport-Pass. Es ging – wie war es auch anders zu erwarten – immer schoen bergauf. Unterwegs sah ich Schilder mit Gemsen oder aehnlichem Getier und dachte mir spaeter, dass diesen Weg, der teilweise sehr eng war, in der vorgegebenen Zeit, die ich wie ich vorab erwaehnen moechte nicht schaffte, wohl nur von Gemsen und Artverwandten zu meistern ist 🙂

Gegen 12.30 Uhr erreichte ich endlich – etwas verschwitzt und leicht vom Weg abgekommen – den Somport-Pass und genehmigte mir dort ein belegtes Baguette. Leider vergass ich hier mir meinen zweiten Stempel geben zu lassen, was aber letztendlich fuer die Sache nicht von Bedeutung ist. 

Ich machte mich abwaerts auf nach Canfranc estacion und musste nach ein paar zig Metern wieder umkehren, weil ich meine Stoecke vor der Huette vergass. Unterwegs sah ich ein paar wenige Pilger und lief auch eine zeitlang hinter 3 Wanderern her. Irgendwann verlor ich sie aus den Augen, was mir aber nicht leid tat. Ich merkte, dass ich stressfreier laufe, wenn kein Pilger vor mir sind. So habe ich wieder meinen eigenen Rythmus ohne Einfluss anderer gefunden. 

Im Ort angekommen und nach einer kleinen Pause ging es weiter zum Tagesziel Canfranc Pueblo. Leider war die geplante Herberge geschlossen. So setzte ich mich an einem Platz auf eine Bank und ueberlegte was ich mache. Eine andere Unterkunft suchen oder weiter zum naechsten Ort. Wie ich da so sitze sprach mich ein Mann an und fragte mich ob ich einen Platz zum schlafen suchte. Ich bejahte und wir verstaendigten uns weiter hin mehr ueber Gestik als verbal. Wie auch immer – ich hatte meine Unterkunft. Und welch ein Glueck – da war ein weiterer deutscher Pilger. Ich bekam eines der beiden Etagenbetten im gleichen Zimmer. Wir waren insgesamt zu zweit darin. Wir unterhielten uns, ich machte mich frisch und wir haben dann gemeinsam zu Abend gegessen. Das Essen wurde frisch zubereitet und wir hatten auch eine Auswahlmoeglichkeit vorab. Es gab 3 Gaenge – Gefuellte Nudeln, Kotelett, und einen mousse chocolate. Das Essen war gut und ich freute mich schon wieder mal auf Fruehstueck. Tja und wie soll es auch anders sein, fiel mir dann auch zwischendurch irgendwann auf, dass ich meine Stoecke nicht mehr hatte :-). Ich lief zurueck in Richtung Bank. Die Stoecke wurden schon von einer Frau die an der Strasse sitzte dort gut ersichtlich platziert. Ich laechelte, bedankte mich mit einem „Gracias“, nahm sie und ging wieder zur Unterkunft.

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03. Mai 2011

Ich startete heute wie geplant nach Lourdes in Frankreich. Dort angekommen in den Buss nach Lourdes zum Bahnhof und von dort aus mit dem Zug nach Pau, wo ich umstieg nach Oloron-St-Marie. Dort nahm ich dann einen Buss zu meinem Startpunkt “Urdos”. Der Ort liegt noch in Frankreich – ein paar Kilometer vom Somport-Pass entfernt.

Hotel in UrdosIch machte dort ein Zimmer klar, welches laut Email-Anfrage 32 EUR kosten sollte. Als ich dann dort war, sollten es dann 34 EUR sein.

Hotelzimmer UrdosNaja – da ich keine Lust hatte zu diskutieren und schon gar nicht in einer Sprache, in der ich vielleicht gerade mal 3 Woerter kann, willigte ich ein. Ich war froh, dass da eine Badewanne drin war, die ich dann auch gleich nutzte. Dann versorgte ich mich in einem kleinen Laden, wo es wenige Lebendmittel gab mit einer Abendmahlzeit. Im Hotel sprach mich dann eine Frau auf Englisch an, ob ich was mit Scientologie zu tun haette. Meine fuer den Flug verpackten Nordic Walking Stoecke, die an dem Rucksack befestigt waren, schienen ihr etwas unheimlich. Spaeter traf ich sie nochmal, sie kam aus der Richtung in die ich am naechsten Tag aufbrechen wollte, und gab mir noch eine kurze Beschreibung. Nach dem Essen freute ich mich dann auf ein Bett und den naechsten Tag – obwohl es gerade regnete.

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02. Mai 2011

Ankunft auf dem Flughafen-Standsted. Habe den ganzen Tag Zeit. Wollte erst nach London rein fahren, habe mich aber dann entschieden es nicht zu tun. Muss ja am naechsten Morgen wieder frueh weiter fliegen und das wuerde mir dann doch mit Hotel, Sightseeing zu stressig werden. So habe ich etwas Schlaf nach geholt, Leute beobachtet und den Tag rum gehen lassen. Wenigstens waren hier die Sitze bequemer.

Und es gab auch mehr Personen, die hier uebernachteten. Ich sprach mit zwei deutschen Frauen, die in London zum Sightseeing waren und einen unfreiwilligen weiteren Tag dran haengen mussten, da sie aufgrund der umfrangreichen Sicherheitskontrollen nicht mehr ihren Flug bekamen. Sie uebernachteten ebenfalls auf dem Flughafen. Abends gegen 20.00 Uhr waren es in der Area in der ich mich aufhielt 5 schlafende Personen, gegen Mitternacht war dann alles voll…zig schlafende Menschen – auf Sitzen und Boeden liegend. Als ich mich dann gegen 04.00 Uhr fertig machte und anschliessend durch den Flughafen lief, gab es noch noch sehr viel mehr.

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01. Mai 2011

So…nun ist es soweit.

Heute beginnt meine Ab- bzw. Anreise. Zunächst mit dem Bus zum Flughafen Frankfurt-Hahn, wo morgen in der Früh dann „mein Flieger“ nach London Stansted startet (mehr oben unter dem Menüpunkt „Vorhaben“).

Mein Gepäck ist doch schwerer als erwartet. Mit Wasserration werde ich zwischen 12 und 13 KG auf dem Rücken tragen. Normalerweise sagt man 10% des Körpergewichtes + ca. 2 KG (Wasser). Doch wenn man sowieso nicht viel auf die Waage bringt, ist das schwer zu realisieren. Aber ich denke, es sollte zu schaffen sein die 12-13 KG zu tragen, zumal das Gewicht des Rucksacks mit der Zeit durch den Verbrauch diverser Hilfsmittel – zumindest etwas – schwinden sollte. Und die knapp 2 Liter Wasser werden ja auch über den Tag hinweg getrunken.

In den letzten Tagen habe ich, trotz versuchter Unterdrückung, eine gewisse Nervosität gespürt. Auch Zweifel und Fragen nach der Durchführbarkeit dieser langen Strecke bzw. in dieser langen Zeit schlichen sich ein. Jetzt wo es „ernst“ wird, sehe ich manche Punkte schon mal kritischer. Aber dann denke ich wieder, sich dem zu stellen ist ja der Sinn eines „Jakobsweges“.

In diesem Sinne sag ich heute selbst zu mir: „Bon Camino!“

Nachtrag:

Bei der Anreise zum Flughafen Hahn haette es beinahe Komplikationen gegeben. Laut DB Auskunft war ein Bus-Umstieg von einer Linie zur anderen vorgesehen. Da aber am Umsteigeort kein Buss stand stieg ich zwar erst hinten aus aber dann fragte ich den Busfahrer durch die vordere Tuer nach dem Bus zum Hahn – er meinte, dass er da hin faehrt und einfach die „Linie“ aendert – aha…muss man ja auch wissen. Also kam ich dann doch da an. Es war ja eine Uebernachtung vorgesehen, weil der Flieger frueh Morgens am naechsten Tag starten sollte. Naja, die Uebernachtung gestaltete sich nicht besonders bequem – auf Hartschalensitzen. Ok – Alternative waere der Boden gewesen, wie es einige der ca. 25 -30 anderen wartenden Personen taten. Wie auch immer, es war eine unruhige Nacht – aber auch eine neue Erfahrung.

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