09. Juni 2011

 Oh Mann, letzte Nacht hatte eine Junge auf dem Zimmer seinen MP3 Player an (das fing schon abends an, als er ins Bett ist und ging bis tief in die Nacht, irgendwann muss wohl die Batterie leer gewesen sein). Auf jeden Fall, ob mit oder ohne

Kopfhoehrer ich weiss es nicht, aber man heut die Musik deutlich im Raum gehoert, so dass ich immer wieder wach wurde, haemmernder monotoner

Technosound. Aber auch diese Nacht ging irgenwann rum. Nach dem Fruehstueck, bin ich gegen 07.30 Uhr los. Das Wetter war ok und das Laufen klappte eigentlich ganz gut.

Gegen 12.00 Uhr hatte ich erstaunterweise knapp 20 KM hinter mich gebracht. Dann gabs ertmal Mittagessen, einen Riesenhamburger und Salat (urspruenglich

sollte es eine Pizza sein, aber die sollte 50 Minuten brauchen). Ich hatte geplant so ca. 3 Std. in der Stadt zu verbringen fuer Essen und Internet und wollte dann weiter laufen. Promt fand ich auch ein Internetcafe ganz in der Naehe des Caminos gelegen. Leider fiel dort dann irgendwann der Strom aus und liess sich nicht mehr in Gang bringen. Gluecklicherweise war ein paar Meter weiter noch ein Internetcafe, welches ich dann auch gleich aufsuchte. Fertig war ich dann aber erst gegen 16.00 Uhr und machte mich dann auch gleich auf die Socken. Angesagt waren nochmal 14Km zum Tagesziel nach Ferreiros. So ab 17.00/1800 Uhr sah ich keine Fusspilger mehr, nur ein paar nervige Fahrradpilger und es war angenehm zu laufen bei optimaler Temperatur und ueberwiegend akzeptablen Wegen. Mein Weg fuehrte ueber kleine Orte /Ortsteile und Bauernhoefe. Diese und andere bisherige Eindruecke von Flora und Fauna sind mit Worten schwer zu beschreiben – ich denke ich wuerde Musikstuecke auswaehlen – es mit Musik beschreiben – das Gefuehl, das „man“ bekommt, wenn man durch diese Natur spaziert.  Irgendwann kam ich dann am Kilometerstein 100 vorbei, wobei diese Angaben nicht mehr stimmen soll, weil der Camino mehrmals veraendert wurde. Nun sollte es von diesem Stein 106,8 Km nach Santiago sein. Gegen 19.15 Uhr kam ich dann im „Dorf“ an und ging in das Restaurant, von dem ich annahm, dass es das beschriebene aus meinem Pilgerfuehrer ist, welches ueber gute „Notunterkuenfte“ und anstaendige Sanitaeranlagen in einem sauberen Neubau verfuegen sollte. Anscheinend war ich aber in dem Restaurant falsch, denn die Mitarbeiterin schickte mich zu oertlichen Herberge, wo ich dann auch vorsprach. Dort war jedoch alles belegt und man versuchte mir dann klar zu machen, dass ich irgendwo anders fragen sollte. Ich verstand, dass ich an dem Restaurant, wo ich zu Anfang war, weiter auf dem Camino laufen sollte. Ok, das tat ich auch und nach einigen hundert Metern tauchte dann tatsaechlich das Restaurant auf – das Richtige aus meinem Fuehrer. Ich fragte nach und da waren auch noch genuegend Betten frei – ein sehr grosser Raum – eher eine Halle und nur eine Familie und eine weitere Pilgerin. Und wie beschreiben alles in gutem Zustand, man reichte mir sogar einen Einmalbezug fuer die Matratze. Und das alles gegen Spende. Nachdem ich mein Bettchen schonmal vorbereitet hatte, bin ich erstmal ins Restaurant essen, danach duschen, Fuesse versorgen und schlafen. Heute bin ich stolz eingeschlafen, ich hatte insgesamt 34 KM hinter mir.

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08. Juni 2011

Heute Morgen habe ich mich wieder  Luftringend auf die Socken gemacht. Es war wieder mal kalt und bewoelkt. Diesmal schleppte ich mich die letzten 3Km rauf auf den 1337m hohen Alto de Poio – den hoechsten Punkt des galicischen Jakobsweges. Viel Aussicht gab es aufgrund des Nebels nicht – war auch nicht schlimm, ich nahm erstmal mein 2. Fruehstueck ein, erholte mich und bewunderte die vielen aelteren Menschen auf dem Jakobsweg. Dann bin ich weitergelaufen, einfach gelaufen und gelaufen, meist bergab und schaute erst mittags wieder in den Pilgerfuehrer rein, als ich wieder durch ein Dorf lief. Dabei wunderte ich mich, dass ich schon grossartige 16KM um 12.00 Uhr hinter mir hatte und somit schon an meinem Tagesziel war 🙂 freu. Habe dann gleich eingecheckt und das kostenlose Internet der Herberge genutzt. Mittlerweile hat sich eine leichte Erkaeltung bei mir eingeschlichen – aber die soll gefaelligst wieder weg, die hat da nichts zu suchen. Nach Internetnutzung habe ich mir erstmal was in der Hauskueche zu essen warm gemacht, ich hatte ja noch einige Paeckchengerichte dabei. Anschliessend noch etwas Internet, einkaufen, relaxen und wieder etwas kleines essen. Dann bat mich eine Koreanerin noch ihr dabei zu helfen, ihre viel zu viel zubereitete Mahlzeit (Salat und Mikrowellen-Pizza) mitzuessen. Naja – bin ja kein Unmensch, so habe ich ihr 2 Stuecke Pizza abgenommen 😉 .

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07. Juni 2011

Heute Morgen geht es wieder besser. Ich habe die restliche Cola getrunken, den Kuchen und die Banane fertig gegessen. Fuer unterwegs habe ich noch eine Banane, und Wasser von der Bar nehme ich auch noch mit. Ich trank zwar schon seit langer Zeit Brunnenwasser und weiss nicht, ob das was mit dem Problem zu tun hat, aber momentan setze ich liebe auf gekauftes Wasser. Ich habe mich dann fertig gemacht und bin gegen 08.00 Uhr los gelaufen. Heute war es wie gestern auch stuermig, regnerisch, kalt und nebelig und es ging auch wieder einen steilen, steinigen Weg bergauf (Ich wusste nicht, dass Spanien sooo viele Berge hat und das der Jakobsweg ueber jeden einzelnen fuehrt 😉  ). Im naechsten Ort mache ich bei dem Sauwetter erstmal Pause und trinke Tee. Heute habe ich die Wanderschuhe an – bei dem Wetter kaum anders machbar – aber es funtionierte, solange ich bedacht lief. Aber mit der Zeit kamen dann doch Schmerzen. Und dann noch das Schwindel- und Schwachheitsgefuehl und die Tatsache, dass ich die ganze Zeit um Luft kaempfte (keine Ahnung, ob das durch die Hoehe, den Nebel oder meine koerperlichen Verfassung verursacht wurde – vermutlich durch alle drei Faktoren). Das alles veranlasste mich, dann nach insgesamt ca. 8 KM abzubrechen und wieder eine Unterkunft aufzusuchen. Gesagt – getan – leider musste ich da noch 2 Std. bei nicht gerade angenehmen Temperaturen ausharren. Spaeter hatte ich dann Lust auf Pommes, Pasta oder Pizza – prima…der Appetit kam wieder zurueck. ich suchte die einzige Bar im Dorf auf und wollte eigentlich nur was kleines von dem Erwaehnten. Aber keine Ahnung – Verstaendigungsprobleme – entweder konnte oder wollte man nur eine Pilgermenue servieren – na Bitte schoen, dann eben das. Aber da waren wenigstens auch Pommes dabei. Zusaetzlich Fleisch, Salat mista, Brot – also doch ganz gut, da konnte ich meinem Koerper wieder einen schoenen Nahrungsmix zufuehren. Schade nur, dass ich es nicht komplett packte, d.h. ich machte sicherheitshalber rechtzeitig Schluss, um gleich evt. Uebel aus dem Weg zu gehen. Im Endeffekt war ich satt, froh und zufrieden und machte mich auf den Rueckweg. Wie ich dann so ganz verpluefft freilaufende Huehner fotografierte, die es wohl gewohnt waren im ganzen Dorf und auch mal ueber die Landstrasse zu spazieren, spazierte ich selbst dabei geradewegs mit beiden Fuessen in den groessten Kuhhaufen des Dorfes – mit Sandalen. Das Ende vom Lied – auf zum Waschen, auch die eine Socke. Aber vielleicht wuerde das dann wenigstens Glueck bringen.

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06. Juni 2011

Heute Morgen habe ich das Marmeladenbrot, den Joghurt und den Tee sowie etwas Wasser getrunken. Schoen – es ging aufwaerts und ich entschied mich heute los zu laufen. Gegen 11.00 Uhr startete ich dann in einen nebeligen, bewoeklten und kuehlen Tag. Ich fuehlte mich immer noch etwas schwach und schwindelig. Unterwegs werde ich von einer franzoesischen Pilgerin gefragt, ob es mir gut geht. Ich machte ihr verstaendlich, was los ist. Sie fragte mich noch eine paar Dinge und gab mir Tabletten gegen Uebelkeit und Durchfall. Und so zeigte sich, dass der Camino auch eine beherzte Apotheke sein kann. Ich bedankte mich und unsere Wege trennten sich wieder. Nach ca. 2KM vom meinem Startpunkt bin ich im naechsten Ort angekommen und konnte nicht mehr weiter. Ich suchte eine Herberge auf und nahm ein Bett, kaufte noch ein Stueck Kuchen und eine Dose Cola, die ich mit aufs Zimmer nahm. Hab dann auch etwas davon gegessen/getrunken. Bloed, Santiago werde ich wohl hoffentlich noch zu Fuss erreichen, aber das Kap? Keine Ahnung. Und mein Fuss ist auch noch immer etwas entzuendet und dick, obwohl ich schon bald die zweite Tube Voltaren drauf habe. Naja – aber es ist insgesamt schon besser und wird denke ich auch taeglich ein wenig besser – und das zaehlt. Ich darf es nur nicht uebertreiben. Abends habe ich mir in der Bar der Herberge zwei Bananen gekauft und etwas davon gegessen und auch noch Kekse. Nachts habe ich dann teilweise wach gelegen oder die Toilette besucht – wenigsten nichts mehr erbrochen.

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05. Juni 2011

Fuehle mich etwas besser was die Uebelkeit betrifft – nur ziemlich schwach. Heute Morgen hatte ich tierische Lust auf meinen am Vortag gekauften Orangensaft mit Eiswuerfeln. Wohl, weil ich zu wenig getrunken hatte und viel Wasser verloren habe. Aber auf Wasser hatte ich keine Lust. Ich fragte mich schon ob das gut sei und auch die Herbergsmutter sagte, dass es eigentlich nicht optimal sei – aber wie gesagt – das Einzige was jetzt rein wollte, war eisgekuehlter Orangensaft. Gesagt getan. Blieb aber erst mal drin. Erst als es sich rentierte – so nach dreiviertel Liter – entschied der Saft, dass es draussen viel schoener ist. Gesagt getan – raus aus dem Sandro – rein in den Eimer – was fuer eine Verschwendung. Hatte aber supergut getan beim Trinken – muss sich also dann wohl gelohnt haben. Der Hospitalero hat mir was zu essen und zum Trinken hingestellt, aber ich konnte nichts anruehren. Das Wetter war den Tag ueber immer noch schlecht. Ich glaube, es tut mir sehr gut, dass ich alleine und in Ruhe in einem Raum sein kann.

Veröffentlicht unter 30. Mai bis 5. Juni 2011 | Schreib einen Kommentar

04. Juni 2011

Start kurz vor 07.00 Uhr. Heute gibt es wieder einen „schoeneren“ Alternativweg – den camino duro, der ueber die Berge fuehrt. Die Hauptroute geht an der Strasse entlang. Wenn ich schon hier bin – also den duro. Der steile Einstieg zeigte mir schon, auf was ich mich da einlasse. Aber der Weg sollte sich mit seiner schoenen Aussicht und sowie der schoenen

und „Pilgereinsamen“ Natur dafuer bedanken. Die meisten Pilger liefen den Hauptweg – vielleicht weil der Einstieg auch schlecht markiert war. Trotz schwierigem Weg, habe ich es nicht bereut – es war tatsaechlich einsam und wunderschoen da oben und als ich dann noch einige zig Meter weg vom Weg hoch auf die Spitze des Berger lief – wurde es fantastisch, so das ich mich hinsetzen und einfach nur die Natur beobachten und geniessen musste. Doch ich hatte es ja noch nicht geschafft, deshalb musste ich dann auch bald weiter auf meinen Weg zum Tagesziel. Und dieses wollte und wollte sich nicht zeigen. Die letzten Kilometer wurden schwieriger bzw. schmerzlicher und ich immer unangehaltener, so dass ich schon lautschreind fragte, wo diese Herberge endlich ist. 1000 gefuehlte Kurven durch einen Wald und hinter jeder erhoffte ich ein Haus zu sehen – aber nein – weitere Kurven. Aber irgendwann dann geschah doch das Wunder – das erste Haus – wow, ich bin gerettet. Kurz danach endlich die „Schwaebische Herberge“ – sehr schoen, mit kleiner Kirche. Ich habe mich ich die sehr kurze Schlange eingereiht, eingecheckt, geduscht und eingekauft. Eigentlich wollte ich Essen zubereiten, aber als ich zurueck kam, fuehlte ich, dass ich mich hinlegen muesste. Irgendwann spaeter bin ich aufgestanden und zur Toilette gerannt um mich zu uebergeben – toll, das habe ich auch noch gebraucht. Mir war Uebel und ich bekam Schuettelfrost. Als mich die Herbergsmutter sah, fragte sie mich, ob es mir kalt ist und ich eine Decke wollte. Ich sagte ihr was los ist. Sie bot mir daraufhin ein anderes Bett (naeher an der Toilette) im Schlafraum an bzw. ein Bett in einem ungenutzten Schlafraum im Keller unmittelbar in der Naehe der Toilette. Ich waehlte letzteres, auch weil ich nur Ruhe wollte (vor allem auch in der Nacht) aber auch die anderen Pilger nicht stoeren wollte. Die Herbergsmutter aber auch ihr Mann kuemmerten sich herzlich um mich, schauten von Zeit zu Zeit nach mir und fragten mich was ich brauche. An dem weiteren Tag hatte ich mich dann wohl bestimmt 5 mal uebergeben und es kam noch ein „Darmproblem“ dazu, was mindestens genauso schlimm – wahrscheinlich aber noch heftiger war. Essen und trinken konnte ich nichts mehr. Nur Ruhe und Schlaf – letzterers unter 3 Decken. Ich hatte zwar keinen direkten Blick raus aus dem einen Fenster in dem Raum, aber ich konnte hoeren, dass das Wetter an dem Tag schlecht war.

Veröffentlicht unter 30. Mai bis 5. Juni 2011 | Schreib einen Kommentar

03. Juni 2011

Heute gehts wieder mal frueher los, so gegen 06.30 Uhr. Weil – habe heute wieder ne laengere Strecke geplant – so 24 KM. Ich habe dann zwischendurch oefters Rast eingelegt und mich mittags etwas laenger auf eine Wiese eines schoenen Rastplatzes gelegt und etwas gedoest. Klar – so was holt einen wieder ein – spaetestens wenn es dann wieder los geht und die Hitze schon merklich gestiegen ist – aber so isses dann halt, also gehe ich langsam weiter, nachdem ich mein Kopftuch ordenlich nass gemacht und aufgesetzt habe. Darueber der Hut und noch schoen eingecremt. Irgendwann war ich dann in Weinbergen unterwegs…Weinberge und Weinberge… und kein Pilger – aber Fusspuren. Hm, ich war mir nicht mehr sicher, ob ich hier richtig bin, aber ich ging mal weiter. Irgendwann sass dann eine Pilgerin auf einem Stein, die eine Zigarette rauchte. Ich glaube die war genauso froh, dass sie jemanden sah, wie ich. Nachdem sich die Kommunikationssprache geklaert hatte, gab ich ihr zu verstehen, gluecklich zu sein, einen anderen Pilger zu sehen, da ich schon dachte auf dem falschen Weg zu sein.  Sie meinte darauf, dass sie das gleiche dachte, und deswegen erst einmal Zigarettenpause eingelegt habe. Aber sie denke, es sollte schon der richtige Weg sein. So gehe ich dann ermutigt nach einem beherzigten „Buen Camino“ wieder weiter meines Weges und sah dann auch irgendwann wieder Camino-Zeichen und folgend auch wieder Pilger, die von einem anderen Weg her kamen. Das war dann wohl ein Alternativweg. Dann endlich gegen 15.00 Uhr erreichte ich die Herberge, wo ich wieder auf bekannte Gesichter traf – eine Frau aus Polen und eine aus der Slowakei, die mich direkt zum Essen einlud. Passte gerade gut 🙂 . Anschliessend Waesche waschen, duschen und schlafen. Kurz nach 19.00 Uhr bin ich dann aufgewacht, ein paar Minuten spaeter kam dann die polnische Pilgerin zu mir, um mir zu sagen, dass es bald Abendessen gibt. Baguette und Co.  🙂 . Also schnappte ich auch noch meine Essenssachen und begab mich nach unten in den Essraum. Da wartete dann allerdings Spaghetti und Tomatensosse auf mich, die andere Pilgerfrauen zubereitet hatten und spontan weitere Pilger dazu einluden – ok – bevor ich mich schlagen lasse 😉  .  Nach dem Mahl kuehlte ich dann noch meine Fuesse mit Eis und stellte fest, dass ich ja nur noch ca. 200 KM bis Santiago und dann noch mal 90 KM zum Kap habe. Oi… dann habe ich so rund 700 KM hinter mir – hoert sich viel an – kam mir aber (trotz Schmerzen) gar nicht so lang vor. Naja, bin ja nicht am Stueck gelaufen und die ca. 4 Wochen gingen aus jetziger Sicht auch ziemlich schnell vorueber.

Veröffentlicht unter 30. Mai bis 5. Juni 2011 | Schreib einen Kommentar